Verschroben ein schönes Wort!
Marcel Schwald: Chris Regn, der Kaskadenkondensator startet mit neuer Crew ins zweite Jahr. Werden wir es schaffen, in den wenigen Programm-spalten die Ausrichtungen und Gefässe von Januar bis Ende März unterzubringen?
Chris Regn: Natürlich nicht, es kommt bestimmt vieles nicht vor was per Mail oder auf der Webseite angekündigt wird. Das neue Format Nest zum Beispiel widmet sich kurzfristigen Vorhaben von Aussen. Eine Plattform für Events, Performance oder andere Präsentationen.
MS: 2010 startet mit dem neu gegründeten Videoklub Basel.
CR: Der Videoklub ist eine offene Werkstatt für Leute mit Interesse an experimentellem Video. Eingebunden in ein europäisches Netzwerk, wird nach einem Regelwerk produziert; auf Nachbearbeitung wird verzichtet und gemeinsam entschieden welches Material veröffentlicht wird.
MS: Wie läuft so ein Videoklub Abend ab?
CR: Es wird produziert oder gemeinsam bereits hergestelltes gesichtet und die Kasko Bar ist offen. Am 11. Februar gibt's übrigens nochmal einen Videoklub.
MS: Mit Iris Baumann wirst du eine Video und Performance Künstlerin präsentieren, die plant, den Kasko für zwei Wochen mit eingesponnenen Objekten zu besetzen.
CR: Genau. Iris Baumann fesselt mit Victim Kasko nach Insektenmanier Videobilder in den Kasko hinein. Sie findet «verschroben» ein schönes Wort und wird den Kasko von der Decke bis in den Keller …
MS: … zur Schnecke machen? (lacht)
CR: (ernsthaft) Ich hätte jetzt «ausfüllen» gesagt.
Marcel Schwald: An diesem Donnerstag hab’ ich die Bar reserviert für meinen Versuch, uns als Publikum in eine andere Szene zu transferieren. Mich interessiert, ob sich durch das Abtauchen in eine andere «Szene» das Gefühl einstellen kann, mehr in Kontakt mit «richtigen Menschen» zu sein.
CR: Was muss man im Vorfeld wissen?
MS: Im Prinzip nicht viel, ausser dass die Szenenmischung real vollzogen wird. Die Veranstaltung endet also an einem anderen Ort als sie beginnt.
MS: Am Dienstag, dem 26ten steht im Rahmen der Ausstellung von Iris ein Berlin-Ferien-Abend mit Iris Baumann und Sibylle Voelkin an.
CR: Die beiden Künstlerinnen waren selbstorganisiert in Berlin. Sie trafen sich bei einer Wunsch-Performance dort in Berlin, wo Frau Merkel schläft. Sie werden sich mit der produktiven Kraft von Wünschen und Klagen auseinandersetzen: Beide sind nah zusammen, aktivieren unsere Freunde, bewegen uns sogar ins Ausland und wieder zurück.
MS: Der Februar startet mit einem goldenen Kleeblatt. Das heisst: In jeder Ecke des Kasko gibt es eine Einzelausstellung.
CR: Ja richtig, die Künstlerinnen und das Publikum lassen sich vom Zusammenspiel überraschen. Beim ersten Kleeblatt sind Tina Z’Rotz mit einer installativen Arbeit, Lex Vögtli mit Malerei, Nele Stecher mit Fotografie und Monika Dillier mit Zeichnungen vertreten.
MS: Für Präsente werden veranstaltende Performerinnen eingeladen, mit Gästen einen Abend zu gestalten.
CR: Für «Der Kasko und sein Vis-à-Vis» wollen sich Saskia Edens, Sarina Scheidegger und Alexandra Stähli mit weiteren Performanceschaffenden auf fremde, dem Kasko gegenüberliegende, Wohnsituationen einlassen. Auf Augenhöhe aber getrennt operiert die Situation mit der Idee von Direktheit und Gleichzeitigkeit.
MS: jeden letzten Mittwoch im Monat hast du, Chris, für 7 bei Broll reserviert.
Chris Regn: ja, um einen regelmässigen Treffpunkt anzubieten. Neben Gesprächen mit zwei Gästen gibt’s ein Überraschungsvideo, Bar, Snacks und kuschelige Lammfelle.
MS: Die Planke laden mit Thylacine ein Team für subtile räumliche Eingriffe ein.
CR: Meist manifestieren sich die Statements des Künstler-Duos auf leise Art zu gesellschaftlichen Situationen. Thylacine begegnet dem Publikum mit ironischem Feingefühl.
MS: Was hat die Hamburger Performance-Gruppe Janet im Kasko vor?
CR: Unter dem Titel Damn'it Janet richten sie sich «mit einem unvollendeten Bauvorhaben» 14 Tage im Kasko ein. Aus ihrer Techno-Oper «Rocky Beach» und der Teenage Garagenband Erich wird vor Ort: ein subvisionäres Musikspektakel mit Tanzeinlagen – Janetrification now. Sie führen Dildosaurier, Bicycle Repair Man und andere Experten mit und performt wird Gender jenseits und weit entfernt von Haut.
MS: Nicht nur Janet, auch das darauffolgende Hochformat-Festival wird mit Bezugnahmen zum öffentlichen Raum operieren, versteht sich als «Parole* zum Aufrichten und Haltungen überprüfen». es kommt unter anderem die europaweit bekannte Künstlergruppe Ligna, die mit ihrem Radioballett die Stadt um radiogesteuerte Einzelfiguren bereichert.
CR: Ligna zeigt das Stück «Der neue Mensch». mit verschiedenen Audiospuren für die Besucher werden Bewegungschöre angeleitet, während sich per Kopfhörer und Radiosendung gleich-zeitig Aussagen zu Körper, Medien und revolutionären Prozessen vermitteln.
MS: Als Journal, Internetplattform und Video ist Hochformat eine Aufforderung an Kunstschaffende und Publikum, entlang wechselnder Medienformate Position zu beziehen.
Chris Regn: Ja, für Nicole Boillat, Anita Hugi und mich als Initiantinnen drückt bei Hochformat das im wörtlichen Sinne «aufgestellte» Medium diesen Anspruch aus. Unter anderem laden wir ein zu Video für einen Gast, einem Interview Format in einer öffentlichen Studiosituation. Wir haben schon mehrere Episoden Video für einen Gast produziert. Dabei stellen uns medienerfahrene Gäste Videos vor, die ihre Haltung beeinflussten. Die sie sozusagen umgehauen haben.
MS: Weitere Veranstaltungen? Wo wird Hochformat noch auftauchen?
CR: mit dabei ist die Künstlerinnengruppe Tischgespräche und das Videomagazin Woche 37, ein Journal verschiedener Künstlerlnnen. ausserdem Sendungen für Schaufenster und andere überdachte kulturelle Situationen.
*Parole laut Thesaurus: Kennwort, Anruf, Erkennungszeichen, Appell, Geheimzeichen